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Sonntag, den 14.01.1979
Stefan, Dagmar und Gerhard kamen zu Sigrid. Dagmar wurde gedrängt, ihr neues Lied vorzuspielen. Gerhard wurde neugierig, er selber würde auch dichten, sagte er; er habe Sigrid einige seiner Gedichte gegeben. Unter sachkundiger Führung Sigrids begann eine 'bedeutende' Auseinandersetzung über Lyrik. Dagmars Lied gefalle ihm nicht, sagte Gerhard ohne zu zögern; er wolle ehrlich sein, denn das alleine könne ihr helfen. Dagmar zeigte sich erfreut; sie hätte immer Angst gehabt, daß man ihr einfach nicht die Wahrheit sage. Da stand ich nun reichlich dumm da, weil ich ihr spontan und kommentarlos meine Anerkennung ausgesprochen hatte. Aber ich stand auch gar nicht zur Diskussion. Verschüchtert und kleinlaut wollte ich Gerhard dann vorsichtig auf den Unterschied zwischen Gedicht und Lied hinweisen, doch man überfuhr mich überlegen, indem man mich auf die Zusammenhänge aufmerksam machte; und außerdem Rheinhard Mey - ich solle doch bedenken. Ich schwieg. Überhaupt, und nun kam Sigrids großer, wenn auch einziger Auftritt, gebe es eine Reihe lyrischer Lieder. "Blowing in the wind" zum Beispiel! Da sei alles drin, da könne man viel herausholen, das sei Perfektion. Allein die Wortwahl, bemerkte Gerhard mit der ganzen ihm zukommenden Würde, sei hochlyrisch. Hochlyrisch! Und das Wort "Dove" anstatt "Pigeon", ergänzt Sigrid - "hochlyrisch"! Beruhigt und selbstsicher konnte sich Gerhard nun zurücklehnen an die, wie er später selbst bemerkte, nicht gerade bequeme Wand von Sigrids Zimmer. Auch Dagmar schien befriedigt zu sein nach dieser Unterhaltung. Gerhard redete noch über "die beim Bund", die alle diesen merkwürdigen Wortschatz annehmen. Er lachte dabei harmlos, rückte sich die Brille auf der Nase zurecht und hatte "die beim Bund" auch schon wieder vergessen. Erst sehr spät kam ich dann auf den Gedanken, daß ich zuviel war in der Runde. Zwei mal zwei junge Leute, gleiche Gesprächsthemen, gleiche Erwartungen. Ich war dazwischengekommen, ahnungslos, wie ich in meiner Gedankenlosigkeit oft bin.

Sonntag, den 14.01.1979
Wieder einmal ein Abschied von 'zu Hause'. Selten habe ich den alten Dingen so hinterhergeweint wie heute. Meine Mutter sieht so traurig aus, daß ich sie nicht eine Sekunde mehr allein lassen möchte.

Montag, den 15.01.1979
Ich soll in die Wäschekammer, habe ich gehört; man gratulierte mir, da hätte ich nichts zu tun, da könne ich nur faulenzen. Das macht mir nur insofern Hoffnung, als ich dann vielleicht mehr Zeit zum Lesen und zum Schreiben finde, doch alles andere bleibt; das Leben rauscht vorüber, der Zug ist längst verpaßt, meiner nimmt bereits den geraden Weg auf das Ende zu. Lachen über alles und Schluß. Das Leben. Keine Antworten mehr geben, nicht mehr mit Ernst bei irgendeiner Sache bleiben; Bedeutung ist längst zu verständnisloser Bewunderung geworden; jeder Schritt ist Ironie, jedes Wort könnte seine Richtung auch umdrehen; die Meinungen der Denker gehen unter. Lautes Gelächter nur.

Dienstag, den 16.01.1979
Mag sein, daß ich das Autofahren nur langsam lerne; mag sein, daß ich zur Zeit übermäßig viele Fehler mache; immerhin hat mein Fahrlehrer, der von anderen als 'verträglich' eingestuft wird, beinahe ohne Unterbrechung gebrüllt. Sonst lache ich darüber und denke mir meinen Teil; diesmal jedoch reichte die Kraft nicht. Ich fühlte mich jämmerlich und hilflos und hätte heulen können. Immer noch ist es jemandem möglich, meine Gedanken ohne offensichtlichen Grund auf den Dachboden zu schicken, wo ich mir einen Strick knüpfe, um mich aufzuhängen.

Mittwoch, den 17.01.1979
Mein Tag ist ausgefüllt; Fahrschule, Mathematik, etwas schreiben und EDV.

Heute, als ich einen Fehler machte, zog mein Fahrlehrer schlagartig seine Hand zur Seite, und ich zuckte zusammen, duckte mich wie ein Kind vor den Schlägen der Eltern; am Ende der Fahrt wurde ich noch auf meine zitternden Hände hingewiesen. Hatte Oliver doch Recht, als er sagte, ich sei noch schüchterner, noch ängstlicher geworden? Was ich hätte, ich sähe so betreten aus, meinte später unser Oberleutnant von der Fahrschule.

Donnerstag, den 18.01.1979
Die Zeit hetzt mich, in den Pausen rast mein Puls, fliehen meine Gedanken vor dem, was hinter mir, und noch mehr vor dem, was vor mir liegt. Trotzdem raffte ich mich auf, um zwischen 6.25 und 6.45 Uhr eine Erzählung von Ilse Aichinger zu lesen ("Engel in der Nacht"). Sie fängt mich auf mit ihrem klaren Stil und ihren ehrlichen Geschichten. Ein harmloser Kindertraum, so erzählt, daß er eine Deutung nahelegt. Der Glaube an Engel wächst zum Glauben an Gott, an das Weise oder einfach an die eigene Unbegrenztheit; er wird zum Lebenssinn, an den man sich klammert; doch alles stürzt ein, als dieser Traum zur Illusion geworden ist. Der Vater, der die Weihnachtsgeschenke kauft, verliert seine Glaubhaftigkeit, Türen und Fenster - zur Welt, zum Leben - werden sinnlos. Nichts bleibt.

Bin heute unter Aufsicht des Oberleutnants gefahren; es ging mehr schief als sonst. Das sei wenig, was ich bisher gelernt hätte, es sei nun sehr schwierig für ihn zu entscheiden, ob man mich auf der Fahrschule behalten könne. Im Unterricht sei ich immer so verschlafen - ob ich nachts studiere?! Später in meiner Einheit wurde bekanntgegeben, daß die ganze Werferstaffel am Freitag bis 19 Uhr statt bis 16.00 Uhr dableiben soll, weil ich mein Bett nicht gemacht habe heute morgen. Die Vorgesetzten, die ich in letzter Zeit immer mehr als Menschen betrachtet hatte, werden plötzlich wieder zu Ungeheuern. Seit Monaten hetze ich von einer Bedrohung zur anderen, schiebe sie irgendwie aus meinem Bewußtsein, und wieder wartet die nächste. In meinem Innern lagern sie sich ab und warten, lassen mir keine Ruhe. Es gibt keine Erleichterung, kein Problem ist gelöst, alles häuft sich drohend vor mir auf.

Freitag, den 19.01.1979
Unser Fahrlehrer behandelt mich wie einen Idioten, mahnt mich ständig an, daß ich die technischen Dinge lernen solle, glaubt, alles besser zu wissen, auch wenn er es (auf dem Gebiet der Elektrik z.B.) gar nicht besser weiß. Ich hätte noch vier Tage Zeit, dann würde sich entscheiden, ob ich auf der Fahrschule bleiben könne. Allein sein durchlöchernder Blick erinnert mich an einen Wahnsinnigen. "Du nimmst das alles viel zu ernst!", sagte mir einer der anderen Fahrschüler. "Laß Dich von denen bloß nicht anmachen!"

Ich muß kämpfen. Um mein Leben, meine Füße, um meinen Charakter, meine Ziele und Ideale, um meine Träume und Wünsche. Ich darf nicht zulassen, daß man mich ständig meiner Lebensinhalte beraubt. Ich muß kämpfen!

Samstag, den 20.01.1979
Der Tag gestern war alles andere als angenehm! Nach der Mittagspause beim Antreten hatte der 'Spieß' mein "Hier!" nicht gehört und wollte mich schon aufschreiben, als ich mich bemerkbar machte. Er ging in die Luft und bestellte mich anschließend zu sich. Da stand ich dann vor ihm, mußte mir seine rhetorischen und tiefgründigen Fragen anhören wie: "Was glauben sie, wer sie sind?! Was stellen sie sich hier eigentlich vor?! Und wie kommen sie sich überhaupt vor?! Saren 'se mal! Sie haben sich gefälligst laut zu melden und nicht so hier herumzupupen; ich glaube, wir müssen Sprechübungen mit ihnen machen!" In meiner Vorstellung habe ich ihm während dieses Auftritts mehrmals ins Gesicht getreten. Wieder im Unterrichtsraum, sagte der Oberleutnant, ich sähe jetzt "noch geschockter" aus als gestern. Merkwürdigerweise fing ich erst in diesem Augenblick an, innerlich einzuknicken ... Was wäre gewesen, wenn mich nicht später unser Hauptmann mit besorgtem Gesicht gefragt hätte, ob ich die Fahrschule nicht schaffe; wenn nicht allein sein Auftreten mir den Mut dazu gegeben hätte, ihm zu sagen, daß ich die Prüfung schon bestehen würde?! Aber auch die anderen Fahrschüler hatten mir wieder auf die Beine geholfen, indem sie mich beruhigten mit den Worten, daß manche eben nur eine leise Stimme hätten und nichts dafür könnten.

Montag, den 22.01.1979
Brief und Buchsendung ("Die Physiker" von Dürrematt) von Sigrid erhalten; ohne Anlaß, ohne Begründung. Sie freut sich, daß es mir offensichtlich gut gehe und beschreibt mich denn, wenn auch verschlüsselt, so doch immerhin deutlich genug. Ich sei zu still, besonders wenn es um mich selbst gehe, solle aufhören zu rauchen, usw. Insbesondere beklagt sie sich, daß ich nicht mehr gesagt habe, was aus meinem Führerschein geworden ist. Es scheint, sie hat von anderer Seite gehört, was los ist. Sie schließt damit, daß sie ankündigt, mich mit dem Auto vom Bahnhof abzuholen.

Heute war unser Hauptmann in der Fahrschule, schüttelte mir mit einer Hand den Kopf wie einem kleinen Hund, sagte, die Theorie könne ich ohnehin und wies mich auf das Geld hin, das ich durch den Führerschein sparen könne. Ich kann es ihm nicht übelnehmen, im Gegenteil! Manchmal bin ich froh, daß er so offen und ehrlich ist, und manchmal, glaube ich, ist eine solche 'Behandlung' eines der wenigen Dinge, die mir wieder auf die Beine helfen können. Die Fahrstunde verlief heute - wie mir scheint erzwungenermaßen - glimpflich, der Fahrlehrer war von Anfang an ruhiger und erwähnte mir gegenüber mehrmals, daß er mir doch gar nichts tue. "Ich hab' immer das Gefühl, als hätten sie große Angst vor mir."

Dienstag, den 23.01.1979
Heute nicht gefahren, nur Unterricht gehabt. Unser Fahrlehrer scheint die Wahrheit allein für sich zu beanspruchen. Rede ich von der Umwandlung chemischer in kinetische Energie im Motor, so sagt er "Nein!" und redet von einer Kugel, die rollt. Er meint, ich hätte von mechanischer Arbeit sprechen müssen. Ich gebe alles zu, weil ich meinen Führerschein haben will und gar nicht einsehe, warum ich mich mit IHM darüber streiten soll.

Mittwoch, den 24.01.1979
Meine Fußkrankheit begrenzt alles, auch das Elend; gerade das! In meinen Gedanken werde ich nicht alt, und wenn ich so nachdenke, so will ich das auch gar nicht! Was soll ich denn noch als ein in faulendes Fleisch gebettetes verkalktes Skelett, wenn nicht einmal das Gehirn mehr richtig arbeitet. Wozu soll ich mit 50 oder 60 Jahren einen eingebohrten Charakter mit mir herumtragen, der mich - neben den ohnehin von der Natur gesetzten Grenzen - zwingt, mich in irgend einer vorprogrammierten Weise zu verhalten? Was leistet der alte Vorschriftssoldat, der seinen Platz in der Bundeswehr gefunden hat, wenn er vor seinen Untergebenen brüllt? Wozu spielt der Pfarrer noch den Heiligen, wozu runzelt der längst schon unfähige Professor noch seine Stirn und wozu schimpft der Kommunist immer noch seit 50 Jahren auf 'die Bourgeoisie', 'den Imperialismus' und 'die Ausbeutung'?

Freitag, den 26.01.1979
Um 21.00 Uhr hier angekommen, treffe ich meine Mutter an, ganz alleine hinter riesigen Bergen von Wäsche und einem dampfenden Bügeleisen. Sie freut sich, daß ich komme, sieht meinen Gesichtsausdruck, ist besorgt, und ich lasse es zu; sehe ihr zerschundenes Gesicht. Meine Schwester war am Mittwoch da und hat sich noch einmal sattgegessen; die Unterstützung ist immer noch nicht da. Das Geschäft läuft sehr schlecht, fast nur Reklamationen. "Das war es, was hier so gelaufen ist. Ansonsten geht es immer weiter im gleichen Trott."

"Holocaust" - man hat diesen Film in mehreren Folgen im Fernsehen gesendet - und nun spricht man darüber. Das Morden von Millionen Juden, durchgeführt von einfachen Befehlsempfängern. Ein bißchen mehr Schikane als sonst, ein paar enthusiastische Worte und schon ist jeder dazu in der Lage - das könnte auch heute noch geschehen! Auch meine Mutter erzählt dabei wieder vom Krieg, von ihrem mühseligen Marsch nach Sachsen, von ständigen Bombenanschlägen, von Kindern, die durch Bombenspielzeug ihre Hände verloren. "Das war eine unmögliche Zeit! Das kann sich niemand vorstellen!"

Samstag, den 27.01.1979
Der Tag begann verheißungsvoll, ich wollte mich endlich mit allem abfinden und doch noch etwas machen aus dem Rest! Fest entschlossen, die inzwischen lautstark gewordenen Schmerzen an den erkrankten Fußstellen zu ignorieren, setzte ich mich aufs Rad, um in die Stadt zu fahren, nach einer neuen Platte von Rheinhard Mey zu suchen und - eine 50-Pfennigs-Tasse Kaffee bei Tchibo zu trinken.

Sigrid war über meinen vorletzten Brief wütend, in dem ich über Gerhards und Dagmars 'Höhenflug' geschimpft hatte. Ich war wohl wirklich zu rücksichtslos und unbedacht gewesen. Ich hätte Sigrid vollkommen ausgeklammert und sie doch indirekt angeklagt. Ich bestritt verzweifelt energisch. Ich sei das selbst schuld, weil ich immer zu viel Spielraum für Interpretationen ließe. Ihr Brief, in dem sie mich mit einem grinsenden Kater verglichen hatte, sei ironisch gewesen; sie habe ihn zuerst gar nicht abschicken wollen, doch 'man' habe sie dazu gedrängt. Sie sei aber auch wirklich sauer gewesen und hätte beinahe eine Glühbirne zerschlagen.

Sonntag, den 28.01.1979
Alles ist gut" - Rheinhard Mey - "nimmt alle Last für ein paar Stunden". Trotzdem habe ich durch meinen Schlaf diese Nacht nichts vergessen. Diesmal ist es anders: der gestrige Abend setzt sich fort, wo er aufgehört hatte, meine Füße, Sigrid, der Führerschein, das Leben - alles ist noch genauso gegenwärtig - heute morgen ist alles anders. Das Badewasser läuft schon. Ich zögere dieses Baden von Mal zu Mal weiter hinaus, ich will meine Krankheit nicht miterleben müssen, doch daran komme ich nicht vorbei. Mein Fahrlehrer, der Hauptfeldwebel, der Oberleutnant, unser Hauptmann und alle anderen Vorgesetzten schrumpfen zu kleinen kurzsichtigen Männchen angesichts der Tragik des Lebens. Sie alle sind unwissend. Haben sie unsere Existenz nicht verstanden?

Dienstag, den 30.01.1979
Der gestrige Tag ist überstanden - fast besser als die vergangene Nacht. Im Brief an Sigrid habe ich das angegeben, was ich schon im letzten Brief angedeutet hatte, daß ich nicht 'normal' sei unter der Berufung auf den Film "Die Konsequenz". Dann noch einen Brief an Oliver geschrieben. Brauchte alleine für diese beiden Briefe zwei Stunden.

Mittwoch, den 31.01.1979
Der Oberleutnant meinte, ich sähe immer noch aus, als hätte ich Angst und würde gleich losheulen, doch wir seien hier nicht auf einer Schwesternschule, und wenn man mich aus der Fahrschule 'rauswerfe, sei das noch kein Grund, "daß wir uns persönlich entzweien". Das alles muß sich erst einmal in mir setzen; diesen verdammten Führerschein will ich ohnehin längst nicht mehr. "Es schneit in meinen Gedanken" - des Oberleutnants Lachen macht mich nicht neidisch, ich könnte auf seine Werte nicht stolz sein. Ich will nicht anders sein, als ich bin; ich habe nicht die Absicht, anderen Menschen das Leben schwerzumachen; mein Ziel ist eine bessere Welt, in der ein solches ignorantes Lachen ohne Bedeutung bleibt! Jemand aus der Nachbarstube kommt herein - "Na, alles klar?" - geht wieder, ein Kichern vom Flur her.

Donnerstag, den 01.02.1979
Eine gräßliche Fahrstunde gehabt, keine Lust mehr gehabt, endgültig aus der Fahrschule 'rausgeworfen worden, endgültig! Mir fällt gerade ein, wie sehr ich mich, als ich zur Fahrschule geschickt worden war, gefreut hatte - so ist das im Leben! Man freut sich für nichts - genauso wie man sich für nichts Sorgen machen kann. Trotzdem bin ich erleichtert, wie ich es nur selten erlebt habe! "Ich erlöse sie hiervon!" hatte auch der Oberleutnant in seinem äußerst geschickt geführten Entlassungsgespräch gesagt. Außerdem kann ich nun endlich zum Arzt gehen, was mir ohnehin weitaus wichtiger ist als alles andere. Was mich noch erhält, ist der Wunsch, mir eine Reiseschreibmaschine zu kaufen, meine Aufzeichnungen aus der Versenkung zu holen und irgend etwas daraus zu machen. Es schwebt mir vor, das Leben bei der Bundeswehr so zu schildern, daß man draußen endlich aufwacht und erkennt, was hier vorgeht!

Freitag, den 02.02.1979
Nun sitze ich grinsender Heuchler hier in meinem Zimmer, endgültig alleine mit meinem eigenen Kram, der mir wertvoller als jeder Freund erschien. Die Schallplatte von Reinhard Mey hat auch längst einen Sprung; die Lieder sind nicht für mich geschrieben, dieses Haus, unter Mühen erbaut, verdient meine unnütze Anwesenheit nicht! Meine Gedanken schweigen beharrlich und drehen sich bloß in ihren eigenen Kreisen! Meine Hände können nicht einmal ein Auto fahren - wozu setze ich mich noch auf die Stühle, die andere unter Schweiß gezimmert haben?!

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